An der damaligen Ingenieurhochschule Köthen hatte ich einen Kollegen, der vorher in der Oberschule mein Chemielehrer war und auch drei "Bändchen" "Chemie in Theorie und Praxis" geschrieben hatte. Als er von meiner kirchlichen Aktivität erfuhr, fragte er mich ganz fassungslos, wie ich denn als Physiker in die Kirche gehen und "solches Zeug" glauben könnte. Christlicher Glaube sei doch mit der modernen Wissenschaft nicht zu vereinbaren und werde über kurz oder lang durch sie überwunden.
Diese Sicht der Beziehung zwischen Naturwissenschaft und christlichem Glauben entspricht allerdings dem Erkenntnisstand des 19. Jahrhunderts. Inzwischen ist die Wissenschaft eher zu einer Stütze des Glaubens an Gott geworden. Denn an Gott zu glauben, ist zwar schwer, aber sich die ganze Welt in letzter Konsequenz ohne Gott vorzustellen, ist noch viel schwerer.
Es braucht wirklich eine Menge Glauben zu glauben, dass das Universum und alles Leben ganz durch Zufall geworden ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist etwa so, wie wenn ein Wirbelsturm durch einen Autofriedhof jagt und die zufällig empor gerissenen Teile nachher zusammen genau als ein komplettes und funktionsfähiges Düsenflugzeug landen - derart unwahrscheinlich ist die zufällige Entstehung der Welt und des Lebens. Ich persönlich habe nicht genügend Glauben um zu glauben, dass nicht jemand wie Gott hinter dem allem ist.
Die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel ist ein Versuch einer Erklärung dafür, wie Gott die Welt schuf. Charles Darwin (übrigens ein überzeugter Christ), der die Evolutionstheorie hervorbrachte, bemerkte, wie die in der Bibel beschriebene Schöpfung eine logische und fortschreitende "Entwicklung" zeigt. Gott, der alles schuf, brauchte nicht alles genau so zu schaffen, wie es ist, sondern hat die Macht, die Evolution in Gang zu setzen und zu leiten. Wo ist darin der Konflikt?